1. FC Köln gegen Bayer Leverkusen
Das erste Aufeinandertreffen war ein Freundschaftsspiel im Juli 1948. Nur knapp ein Jahr später folgte das erste richtungweisende Duell, das der 1. FC Köln für sich entscheiden konnte. Seither umgibt die Spiele zwischen dem FC und Bayer Leverkusen eine besondere Atmosphäre. War der FC in der Bundesliga zunächst die dominante Mannschaft, sollte sich das Blatt im Laufe der Jahrzehnte zu Gunsten des ungeliebten Nachbarn wenden.

Zu den aus FC-Sicht bis heute wichtigsten Begegnungen mit Bayer Leverkusen zählen die Entscheidungsspiele um die Rheinbezirksmeisterschaft. Was sich heute eher unbedeutend anhört, sollte vor 62 Jahren die Zukunft des erst 15 Monate zuvor gegründeten 1. FC Köln maßgeblich beeinflussen. In beeindruckender Art und Weise war das Team von Spielertrainer Hennes Weisweiler Sieger der Rheinbezirksliga Gruppe 1 geworden und traf nun auf die Bayer-Mannschaft, den Erstplatzierten der zweiten Gruppe. Der Verband hatte zwei Entscheidungsspiele angesetzt und dem FC für das erste Spiel am 8. Mai 1949 Heimrecht zugelost. Schauplatz war die mit 22.000 Zuschauern fast ausverkaufte Müngersdorfer Radrennbahn. Dabei elektrisierte die Fußballfreunde weniger die Rheinbezirksmeisterschaft an sich, als vielmehr die daraus resultierende Konsequenz: Der Aufstieg in die erstklassige Oberliga West. Mit einem 2:0-Sieg schufen die Kölner eine sehr gute Ausgangsbasis für das eine Woche später stattfindende Rückspiel im heute nicht mehr existierenden Stadion am Stadtpark. Die nur mit Stehrängen und einer Holztribüne ausgestattete Wettkampfstätte platzte an diesem Frühlingstag aus allen Nähten, da sie nur etwas mehr als 12.000 Zuschauern Platz bot. Ungefähr die Hälfte des Publikums war mit den von Sülz aus fahrenden Sonderwagen oder sogar zu Fuß von Köln über den Rhein gekommen, um beim ersehnten Aufstieg hautnah dabei sein zu können. Diese Schlachtenbummler begründeten die Tradition großer Kölner Anhängerkontingente bei den späteren FC-Gastspielen in Leverkusen.

Beginn 49-jähriger Erstklassigkeit
Hans Graf und der zweifache Torschütze Walter Radant sorgten für einen 3:1-Erfolg des 1. FC Köln, der von nun an fast auf den Tag genau 49 Jahre ununterbrochen erstklassig spielen sollte – bis am 9. Mai 1998, ausgerechnet nach einem 2:2 gegen Bayer Leverkusen, der erstmalige Abstieg der Geißböcke aus der ersten Bundesliga nach langjährigem, sportlichen Niedergang endgültig besiegelt war. Die Atmosphäre, als nach dem Abpfiff Trude Herrs „Niemals geht man so ganz“ durch die Lautsprecher ertönte, wird wohl keiner der dabei gewesenen FC-Fans jemals vergessen. Ein traurig-denkwürdiger Tag im Müngersdorfer Stadion.
Nach dem erwähnten FC-Aufstieg in die Oberliga, dauerte bis zur Saison 1951/1952, bis es zum Wiedersehen mit der Werkself kam. Dabei entwickelten sich die Leverkusener in den 1950er Jahren zum Kölner Angstgegner: Erst im sechsten Anlauf gelang es dem FC, am 27. Dezember 1953 den rechtsrheinischen Nachbarn zu bezwingen. Der 7:3-Kantersieg vor heimischer Kulisse war ein Meilenstein auf dem Weg zum ersten westdeutschen Meistertitel. 1956 stieg Leverkusen aus der Oberliga ab, obwohl beim letzten Vergleich zwischen Bayer und FC (0:0) der laut dem Fachblatt Kicker „kraftlos spielende“, spätere Meistertrainer Udo Lattek in der Leverkusener Sturmreihe mitwirkte. Nachdem die letzten Pflichtspiele beider Clubs gegeneinander in der Spielzeit 1962/1963 ausgetragen wurden, vergingen sechzehn Jahre bis man wieder in derselben Liga gegeneinander antrat.

10.000 FC-Fans bei der ersten Bundesligabegegnung
Am 15. September 1979 kam es zur ersten Begegnung in der Bundesliga im Leverkusener Ulrich-Haberland-Stadion. Mehr als 10.000 Kölner hatten die nur 20 Kilometer rheinabwärts zurückgelegt. Rund um das Spiels kam es sowohl in der Stadt, als auch im Umfeld des Stadions zu Ausschreitungen. In der Bundesliga blieb der FC gegen Bayer neun Spiele lang unbesiegt, bis es am 9. Dezember 1983 mit einer 1:2-Auswärtsniederlage den ersten, damals noch doppelten Punktverlust zu verzeichnen gab. Kurios: Während der 1980er Jahre endete das Derby insgesamt sieben Mal 1:1.


Trendwende in den 1990er-Jahren
In den 1990er Jahren wendete sich das Blatt: Nur drei Mal konnte der 1. FC Köln während dieser Dekade gegen Leverkusen gewinnen. Am 8. Mai 1993 bestritt Pierre Littbarski sein letztes Spiel für den FC – eine 0:3-Niederlage in Leverkusen. Am 16. Spieltag der Saison 1996|1997 verlor der FC ebenfalls auswärts mit 2:4. Bemerkenswert war jedoch, dass bei dieser Partie mit Daniel Eschbach der bereits vierte Torhüter in der laufenden Saison zwischen den Pfosten des 1. FC Köln stand. Bodo Illgner war nach Saisonbeginn zu Real Madrid gewechselt, Michael Kraft war verletzt und Antonio Ananiev gesperrt.
Es gab aber auch schöne Momente, wobei vor allem der 4:0-Heimsieg am vorletzten Spieltag der Saison 1996/1997 hervorzuheben ist, der der von Christoph Daum betreuten Bayer-Mannschaft den Griff nach der Meisterschale verwehrte. Toni Polster erzielte dabei drei Tore und sorgte für unvergessliche Jubelszenen in Müngersdorf. Vor dieser Partie war zudem erstmals eine Choreografie in der Südkurve des Müngersdorfer Stadions zu sehen, die in den Folgejahren stets erweitert, verfeinert und immer imposanter wurden. Die Choreo vor der Partie gegen Leverkusen in der Hinrunde 2009|2010 ist noch in sehr guter Erinnerung.
Sportlich bemerkenswert war zuletzt das Aufeinandertreffen im DFB-Pokal-Halbfinale am 5. März 2002: Praktisch mit dem Schlusspfiff egalisierte Rigobert Song die 1:0-Führung der Gastgeber. In der nun fälligen Verlängerung vergab FC-Stürmer Lilian Laslandes eine Großchance zur Führung. Am Ende behielt Leverkusen mit 3:1 die Oberhand und zog ins Endspiel ein.
Natürlich haben im Laufe der Jahre noch weitere bedeutsame Spiele zwischen den Nachbarn vom Rhein stattgefunden, die an dieser Stelle ebenso Erwähnung finden könnten. Alle Beteiligten und alle Fans sollten nun aber den Fokus auf den kommenden Samstag legen, um ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte des Duells der Gegensätze zu schreiben. Seit dem 24. Mai 1997 wartet der 1. FC Köln auf einen Sieg gegen den Rivalen von der „Schäl Sick“. Es wird also Zeit...
Harald Konopka – 456 Pflichtspiele für den FC, 25 Tore (1970 - 1983)
„Ich habe in meiner langen Laufbahn als FC-Spieler einige Derbys gegen Leverkusen gespielt, und dabei kein einziges verloren. In den Spielen war immer Feuer drin. Ich kann mich noch gut an ein Spiel aus der Saison 1980|1981 erinnern, es endete 1:1. Bei einem frühen Zusammenprall mit meinem Gegenspieler Sackewitz bekam ich einen Tritt ins Gesicht, und meine Nase blutete stark. Ich bekam zwar blutstillende Tücher, bekam aber schlecht Luft. Bei meiner Auswechslung kurz vor Schluss merkte ich warum – mein Trikot war dunkelrot und die Nase war gebrochen, sie wurde dann in der Kabine gerichtet.“
Zum bevorstehenden Spiel:
In der momentanen Situation hilft nur Kampf, Kampf und noch mal Kampf. Jeder Spieler muss für den anderen da sein, und alle Spieler müssen sich über die vollen 90 Minuten gegenseitig motivieren. Es wird ein schweres Spiel, denn die Leverkusener wittern schließlich noch eine kleine Chance auf den Titel. Aber wenn sich alle Spieler gegenseitig unterstützen, ist im eigenen Stadion immer etwas zu holen. Das hat die Mannschaft in dieser Saison in den Heimspielen ja schon oft gezeigt.
Karsten Baumann – 249 Pflichtspiele für den FC, 12 Tore (1988 - 1998)
„Ich musste immer gegen Ulf Kirsten spielen und das waren immer sehr interessante Duelle. In Leverkusen sah er meist gut aus und hat getroffen und in Köln ist er nicht zum Zug gekommen. Einmal hat er getroffen, da war ich aber verletzt. Die Duelle waren immer sehr hitzig und sehr giftig. Da wurde mit allen erlaubten und nicht erlaubten Mitteln gekämpft.“
Zum bevorstehenden Spiel:
„Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass die Mannschaft wieder gut verteidigt, dass sie die Fehler minimieren, die sie in den letzten Spielen gemacht haben und dann haben sie durchaus Möglichkeiten mit ihren schnellen Leuten vorne auch ihr Tor zu machen. Poldi ist ja auch wieder dabei. Aber das Wichtigste wird sein, hinten gut und sicher stehen, dann kann das auch was werden.“
Ralf Hauptmann – 201 Pflichtspiele für den FC, 8 Tore (1993 - 2001)
„Für mich persönlich war es 1997 so, dass ich Paulo Sergio ausschalten sollte, was mir auch ganz gut gelang. Irgendwann ist er völlig desillusioniert auf die rechte Seite gewechselt und unser Trainer Neururer sagte: Da gehst du mit! Als ich dann da als rechter Außenverteidiger bei ihm auftauchte, war das Spiel für ihn restlos gelaufen. Mit dem 4:0 haben wir denen die Meisterschaft ganz schön versaut. Ich habe einen guten Freund, der auf den Aufzeichnungen beim Jubeln auf der Tribüne zu sehen war und dahinter sah man Calmund und Völler, wie denen immer mehr das Gesicht einschläft, das war schon großartig.“
Zum bevorstehenden Spiel:
„Fußballerisch kann man sich nicht mit denen messen, sie waren auch wirtschaftlich schon immer einer andere Klasse als der FC. Aber mit Herz kann man da viel machen. Da kann alles passieren, wenn man nur dran glaubt und man kann vieles von dem wiedergutmachen, was im Laufe der Saison nicht so gut gelaufen ist. Die Emotionen sind schon etwas Besonderes. Mit Glaube und Leidenschaft und Herz kann man da einiges ausrichten.“
Stephan Engels – 294 Pflichtspiele für den FC, 56 Tore (1976 - 1989)
„Von sieben Spielen zuhause in meiner Karriere bin ich sechs ungeschlagen geblieben – an die Niederlage kann ich mich, ehrlich gesagt, gar nicht mehr erinnern. Mit dieser Bilanz, also sechs von sieben Spiele gegen Leverkusen gewinnen, da sollten wir jetzt wieder mit anfangen. Wir haben ja auch auswärts damals selten gegen Leverkusen verloren. In unserer Zeit waren die immer ein gern gesehener Sparringspartner.“
Zum bevorstehenden Spiel:
„Die Jungs müssen an die eigene Stärke glauben. Es muss ein hundertprozentiger Siegeswille da sein. Sie brauchen Laufbereitschaft, Kampfkraft, Leidenschaft und in den Zweikämpfen muss es richtig zur Sache gehen. Sie müssen ihnen den Schneid abkaufen, dann kann es gelingen.“
Toni Polster – 168 Pflichtspiele für den FC, 88 Tore (1993 - 1998)
„Der FC muss oben bleiben, egal wie. Ein Derby ist dabei immer eine gute Möglichkeit, einen Dreier einzufahren. Das ganze Stadion muss wie ein Mann hinter der Mannschaft stehen, dann kann man auch ein Derby gewinnen!“
