Mato Jajalo
Er wechselte im Sommer für vorerst ein Jahr zum 1. FC Köln und hat sich schnell integriert. Er spricht trotz seiner kroatischen Wurzeln perfekt deutsch, da er in Deutschland aufgewachsen ist. Bislang hat er alle Pflichtspiele für den FC bestritten, ist also als Neueinkauf voll eingeschlagen. Er überzeugt durch Kampfkraft, Übersicht und technische Qualitäten, und das, obwohl er mit 22 Jahren noch am Beginn seiner Karriere steht. Frederic Latz sprach für das GeißbockEcho mit Mato Jajalo über seine Entwicklung, seine Familie und seine Ambitionen.
GeißbockEcho: Als einziger Neuzugang hast Du die bisherigen Pflichtspiele allesamt von Beginn an bestritten. Das ist nicht selbstverständlich.
Mato Jajalo: „Darüber freue ich mich natürlich, vor allem weil der Konkurrenzdruck diese Saison sehr hoch ist. Ich freue mich, dass ich hier super aufgenommen worden bin. Toll, wie der FC alles organisiert hat und wie reibungslos alles abgelaufen ist. Da muss ich schon sagen, das lief perfekt. Innerhalb von zwei Tagen war alles erledigt, ich hatte eine Wohnung und ich konnte mich voll auf den Fußball konzentrieren. Ich denke, das ist das Wichtigste. Zudem waren meine Mannschaftskollegen von Beginn an total super zu mir. Da herrscht echter Teamgeist, das macht Spaß und das ist auch wichtig für die Leistung.“
Vergangene Saison hast Du mit dem AC Siena in der Serie A gespielt. Trotz des Abstiegs am Saisonende, welche Erfahrungen konntest Du in Italien sammeln?
„Am Anfang hatte ich natürlich Probleme mit der Sprache, aber auch mit der italienischen Taktik. In Italien wird extrem viel in Taktik investiert. Aber ich lerne schnell und an beides habe ich mich nach einigen Wochen gewöhnt und auch viel für mich und mein weiteres Leben gelernt.“
Gab es Spiele, die besonders in Erinnerung geblieben sind?
„Ja natürlich, die italienische Liga ist schon etwas Besonderes. Einen großen Überraschungssieg konnten wir mit Siena nicht landen, wir waren ja keine große Mannschaft. Aber ein paar Mal konnten wir die Großen schon ärgern. Gegen Juventus Turin holten wir zum Beispiel ein Unentschieden – obwohl wir zur Halbzeit 0:3 hinten lagen, konnten wir am Ende noch zum 3:3 aufholen. Außerdem haben wir gegen Inter Mailand im San Siro Stadion bis kurz vor Schluss 3:2 geführt. Leider haben sie dann noch richtig aufgedreht und wir haben noch 3:4 verloren. Aber solche Spiele bleiben natürlich in Erinnerung. Da kann man dann auch im Nachhinein noch Kraft daraus schöpfen.“
Interessieren sich Deine Mitspieler hier beim FC auch für solche Erlebnisse aus Italien?
„Ja klar, natürlich haben mich am Anfang einige darauf angesprochen. Ich habe mich dann auch mit ihnen darüber unterhalten, aber mittlerweile kennen wir uns alle sehr gut. Jetzt steht das Tagesgeschäft, die Bundesliga, im Mittelpunkt. Die Bundesliga braucht sich hinter der italienischen Liga nicht zu verstecken. Ich würde sogar sagen, dass die Bundesliga stärker ist als die Serie A.“
Wie ist der Wechsel, vorerst auf Leihbasis, nach Köln entstanden?
„Ich habe mich sehr gefreut, als ich von dem Interesse des FC erfahren habe. Da musste ich nicht lange überlegen und habe mich sehr schnell für einen Wechsel entschieden. Zum Glück hat der AC Siena zugestimmt.“
Ganz neu war ein Wechsel nach Deutschland für Dich nicht.
„Das stimmt, ich kenne Deutschland gut, auch wenn ich kroatische Wurzeln habe. Köln ist zwar eine neue Stadt für mich, aber als Kind habe ich schon einige Jahre in Deutschland gelebt. Ich fühle mich hier wirklich wie zu Hause. Insgesamt habe ich mit meiner Familie neun Jahre in Offenbach gelebt und bin dort auch zur Schule gegangen. Dann sind wir nach dem Balkan-Krieg wieder nach Kroatien gezogen und ich habe dort meinen Abschluss gemacht.“
In der Bundesliga konntet Ihr zuletzt gegen St. Pauli gewinnen und in München einen Punkt holen. In Mainz hat der FC verloren und jetzt kommt Hoffenheim. Was rechnet Ihr Euch aus?
„In München haben wir das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Gegen Mainz wollten wir auch wieder punkten, was leider nicht geklappt hat. Gegen Hoffenheim wollen wir in erster Linie stabil stehen, aber auch, wie schon in München und Mainz, unsere Chancen nach vorne suchen. Ich denke, es ist unsere Stärke, dass wir aus einer kompakten Defensive gefährliche Gegenstöße fahren können. Besonders gegen spielerisch starke Teams wollen und müssen wir so agieren.“
Nach dem Spiel gegen St. Pauli warst Du sichtlich begeistert von Deiner neuen Heimat im RheinEnergieStadion. Was sind Deine ersten Eindrücke vom Stadion und den FC-Fans.
„Ein super Stadion und tolle Fans. Das hat man mir zwar vorher schon erzählt, aber jetzt habe ich es zum ersten Mal wirklich selbst erlebt. Was auf den Rängen passiert, das ist schon sehr beeindruckend. In Italien war die Stimmung fast nirgendwo so gut, und man spielt oft in halbleeren Stadien. Das kann man gar nicht vergleichen. Ich bin wirklich stolz, hier zu spielen.“
Wie würdest Du Dich als Spielertyp auf dem Platz und als Privatperson beschreiben?
„Ich bin grundsätzlich ein froher, lockerer und entspannter Typ und mag es, Späße zu machen. Allerdings überlasse ich es lieber den Anderen, mich zu beschreiben, ich mag das nicht so sehr. Auf dem Platz konzentriere ich mich einhundertprozentig auf meine Aufgaben und versuche immer, alles zu geben.“
Gibt es Kollegen, mit denen Du auch in der Freizeit Dinge unternimmst?
„Grundsätzlich komme ich mit allen Leuten hier sehr gut aus. Natürlich macht man mit dem einen oder anderen etwas mehr. Mit Miro Varvodic unternehme ich gelegentlich schon mal was – er ist ja auch Kroate. Außerdem auch mit Nova und Miso Brecko.“
Was ist neben dem Fußballplatz das Wichtigste in Deinem Leben?
„Ganz klar meine Familie. Ich habe mit meiner Lebensgefährtin Ivana einen sechseinhalb Monate alten Sohn, Manuel. Er ist mein großer Stolz und mein Ein und Alles. Im Profifußball ist man so viel unterwegs, da möchte ich in meiner Freizeit natürlich so viel Zeit mit der Familie verbringen wie möglich.“
Du bist Kapitän der kroatischen U21-Nationalmannschaft. Inwiefern versuchst Du, auch beim FC Verantwortung zu übernehmen?
„Für mich ist das keine besondere Situation. Ich versuche immer, Verantwortung zu übernehmen. In der Mannschaft muss jeder ein ‚Leader‘ sein. Man muss sich zu jeder Zeit unterstützen. Und so ist das hier auch beim FC.“
Gibt es schon Pläne oder Aussichten, was den Schritt zur A-Nationalmannschaft betrifft?
„Bei dem Thema denke ich, genau wie in der Liga, nur Schritt für Schritt. Es stehen demnächst wieder wichtige Spiele für die U21 an, und die möchte ich erfolgreich bestreiten. Alles andere kommt von selbst.“
Könnest Du Dir nach den ersten Wochen und Monaten vorstellen, längerfristig, also über die Dauer der Ausleihe hinaus, in Köln zu bleiben?
„Letztendlich müssen das andere Personen entscheiden. Ich kann nur sagen, dass ich jeden Tag mein Bestes gebe und mich hier wie zu Hause fühle.“
Geburtsdatum 24. Mai 1988
Geburtsort Jajce, Bosnien-Herzegowina
Nationalität Kroate
| Jugend | |
| 7|1993 - 6|1999 | DJK Eiche Offenbach |
| 7|1999 - 6|2007 | Slaven Belupo, Kroatien |
| Profi | |
| 7|2007 - 6|2009 | Slaven Belupo |
| 7|2009 - 6|2010 | AC Siena |
| seit 7|2010 | 1. FC Köln |
| Spiele|Tore | |
| Bundesliga | 5|0 |
| DFB-Pokal | 1|0 |
