Der richtige Weg

Frank Schaefer

Am 12. April 2012 hat er zum zweiten Mal den Trainerposten des 1. FC Köln angetreten. Zum zweiten Mal in einer schwierigen Situation, nicht nur für den Club, sondern auch für ihn persönlich. Frederic Latz sprach für das GeißbockEcho mit Frank Schaefer über seine Rückkehr auf den Trainerstuhl, seine Eindrücke und Ziele, sowie seine Einstellung als Trainer und Identifikation mit dem Club.

GeißbockbockEcho: Herr Schaefer, sie haben zwei Tage vor dem Spiel gegen Mönchengladbach den Dienst als Trainer des 1. FC Köln angetreten. Trotz der Niederlage – welche positiven Dinge ziehen Sie aus dem Spiel und nehmen Sie mit in die Vorbereitung für die kommenden Aufgaben?

Frank Schaefer: „Ich bin auf eine Mannschaft gestoßen, von der ich wirklich das Gefühl habe, dass sie Dinge annehmen will, Hilfestellungen erwartet und eine große Bereitschaft zeigt, diese umzusetzen. Natürlich hätten wir dieses positive Gefühl im Spiel gegen Gladbach gerne in Zählbares umgewandelt. Bei diesem Spiel kamen einige Komponenten dazu. Wir haben gegen eine sehr starke Mannschaft gespielt, eine Mannschaft die nächstes Jahr im Europapokal spielen wird, die uns an diesem Tag überlegen war und mit der wir nicht auf Augenhöhe waren. Was wir aktuell aber auch nicht sein müssen, sondern das Ziel ist es, andere Mannschaften hinter uns zu lassen, die in einer ähnlich schwierigen Situation sind wie wir.“

Haben Sie in Gladbach schon Dinge sehen können, die Sie in der kurzen Zeit der Mannschaft vermitteln konnten?

„Was man sehen konnte, war eine bessere Körpersprache als in den letzten Spielen. Die Mannschaft ist nach dem 0:1 nicht weggebrochen, sondern hat sich bis zur Halbzeit ins Spiel zurückgearbeitet. Mit Sicherheit hat auch Michael Rensing dazu beigetragen, aber auch die ganze Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt. Das ist ein kleiner Schritt, den ich nicht überbewerten möchte, aber von dem ich ein gutes Gefühl habe.“

Sie setzen auf alle Spieler und haben gesagt, dass alle bei null anfangen.

„Ich habe alle Vorkommnisse der Saison verfolgt. Mit den Dingen, die passiert sind, kann ich mich von meinem Trainerbild her absolut nicht identifizieren. Fakt ist aber, ich habe vier Wochen vor Saisonende eine Mannschaft übernommen. Und da ist es meine Aufgabe, neu anzufangen. Es gilt, alles Qualitätspotenzial, das dieser Verein, diese Mannschaft zur Verfügung hat, zu nutzen – im Interesse der Mannschaft, im Interesse des Vereins und im Interesse der Situation. Zu welchen Erkenntnissen ich komme, ist ein zweites Thema.“

Was können Sie zu diesem zweiten Thema sagen?

„Ich bin jemand, der in jedem Training und in jedem Spiel Erkenntnisse gewinnt. Ich bin jemand, der genau hinschaut und der auch schnell ein Gefühl für einzelne Spieler und Situationen entwickelt. In der Bewertung einzelner Spieler und wie Mannschaften zu funktionieren haben. Das Kriterium muss sein, für Samstag die am besten funktionierende Mannschaft auf den Platz zu bekommen, und welche Spieler, welche Systematik dafür am besten geeignet sind. Das alleinige Kriterium, in der kurzen Zeit, die zur Verfügung steht, ist, die Spieler auszuwählen, die die bestmögliche Einheit, die bestmögliche Funktionalität fürs Team innerhalb der Ordnung einnehmen können.“

Wie hat die Mannschaft diese Entscheidung aufgenommen?

„Die Mannschaft will nur eins: Den bestmöglichen Erfolg in den letzten Spielen. Ich glaube, dass sich die Mannschaft mit den zurückliegenden Themen nicht mehr beschäftigt, dazu liegen zu wichtige Aufgaben vor uns.“

Sie haben gesagt, Sie hätten es sich nie verziehen, wenn Sie diesen Schritt nicht gegangen wären. Haben Sie versucht, dieses Gefühl an die Mannschaft zu vermitteln? 

„Ich habe der Mannschaft von Anfang an gesagt, dass es nur darum geht, für die nächsten 23 Tage nach vorne zu gucken. Es geht nicht um die Person Frank Schaefer. Es geht auch nicht darum, ob ich einen Schritt mache, der von einigen als mutig bezeichnet, von anderen vielleicht als riskant bewertet wird. Das war vor einem Jahr schon mal genau dasselbe, nur in einer umgekehrten Richtung. Ich treffe Entscheidungen immer aus einer Situation heraus. Ich muss bei diesen Entscheidungen das Gefühl haben, dass es immer die richtige in der jeweiligen Situation ist. Als Trainer gehst du immer vorne weg und hast eine riesige Verantwortung der Mannschaft und dem Club gegenüber. Es ist eine absolute Pflicht, mit dieser Verantwortung richtig umzugehen. Das habe ich der Mannschaft gesagt. Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich glaube, dass ich der Mannschaft in dieser Situation helfen kann. Ich glaube auch, dass die Mannschaft das sehr schnell begriffen hat.“

Ihre Identifikation mit dem Verein auch mit dieser Aufgabe ist sehr groß. Dennoch ist Ihre Aufgabe bis Spieltag 34 begrenzt.

„Das ist eine bewusste Entscheidung, die ich auch mit Herrn Horstmann abgesprochen habe. Es ist mein Ziel, mich auf diesen Zeitraum total zu fokussieren. Durch diese Entscheidung bin ich noch motivierter und kann mit noch mehr Energie und mehr Fokus diese Aufgabe, diese Mission angehen.“

Wie versuchen Sie, diese Energie an die Mannschaft zu übertragen?

„Genauso, wie ich bin. Genauso, wie ich mit Ihnen spreche, spreche ich auch mit der Mannschaft. Ich imitiere niemanden und spiele nicht irgendeine Rolle –  ich kann nur so wirken wie ich bin. Wie viele Facetten man abdeckt damit, kann ich nicht sagen. Ich versuche, alles so authentisch wie möglich zu machen, auch im Umgang mit der Mannschaft, und ich habe in meinem bisherigen Trainerleben die Erfahrung gemacht, dass das der richtige Weg ist.“

Sie haben mit Rolf Herings noch mehr Erfahrung in das Trainerteam aufgenommen. Kann das noch mal ein zusätzlicher Impuls sein?

„Der ausschlaggebende Punkt war die Situation. Jede Bundesligamannschaft braucht ein entsprechendes Trainerteam. Die Tatsache dies mit zwei Trainern anzugehen, gibt es heute nicht mehr. Mir war von Anfang an klar, dass wir einen dritten Mann brauchen, und ich habe mich bewusst für Rolf Herings entschieden. Stephan Engels, Dirk Lottner und ich haben mit ihm ein sehr gutes Gespräch geführt und wir glauben, dass er, insbesondere mit seiner Erfahrung, mit seiner Kompetenz und mit seiner natürlichen Autorität uns sehr gut unterstützen kann. Jeder Satz, jede Entscheidung, jede Trainingseinheit, jede Sitzung, jedes Einzelgespräch bietet die Möglichkeit, Impulse zu setzen. Auch die Tatsache, dass Rolf Herings jetzt im Trainerteam ist.“

Welche Rolle spielt für Sie Ihr Trainerteam und Stephan Engels als Team-Manager?

„Eine ganz wichtige. Es war für mich eine Voraussetzung, mit Dirk Lottner und Stephan Engels diese Aufgabe zu übernehmen. Mit Alexander Bade haben wir eine ganz verlässliche Konstante in unserem Team, und Rolf Herings tut uns mit seinen Qualitäten und seiner Art sehr gut. Wir verstehen uns als Team, das der Mannschaft Teamgeist vorlebt. Wir liegen auf einer Wellenlänge und verfolgen eine Linie. Das ist die Voraussetzung, um Erfolge möglich zu machen.“

Sie kennen den FC ja schon sehr lange und haben viele Dinge beim FC gesehen und erlebt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage für den gesamten Club?

„Es ist sicherlich eine der schwierigsten Lagen, die ich beim FC erlebt habe. Ich stelle fest, dass eine große Sorge bei den Mitarbeitern da ist. Die Leute arbeiten rund um die Uhr mit einem zeitlichen Aufwand von dem sich jeder Fußballprofi eine Scheibe abschneiden kann. Gerade für diese Leute, die in dieser Doppelfunktion als Mitarbeiter und als Fans hier arbeiten, für die ist es emotional eine ganz andere Geschichte, wenn der Verein in so einer schwierigen Situation ist. Ich bin auch ein Teil dieses Teams, was auch ein Grund war, weshalb ich gesagt habe: ‚Ich will es anpacken.’ Meine Aufgabe ist es, zu arbeiten und diese Zuversicht, die ich in mir spüre, auch auszustrahlen. Wenn man in Krisensituationen ist – und ein Abstiegskampf bei einem Bundesligaverein, insbesondere beim 1. FC Köln, ist eine große Krisensituation – dann treten erst einmal die normalen menschlichen Reflexe auf. Rückzug, gegenseitige Schuldzuweisung und möglichst mit heiler Haut aus der Situation herauskommen. Das sind normale Reflexe, normale Mechanismen. Dies ist aber der falsche Weg. Jeder muss wissen, dass er genau das Gegenteil tun muss. Es geht darum, dass wir bedingungslos unterstützt werden, dass man von allen Seiten Geschlossenheit zeigt – Stadt, Fans, Club und zu einem gewissen Bereich auch die Medien – weil es der einzige Weg ist, diese Krise zu meistern.“

Der kommende Gegner VfB Stuttgart befindet sich in einer fast gegenteiligen Verfassung, da der VfB die letzten Spiele auch nach einem Rückstand noch drehen konnte. Wie bereiten Sie die Mannschaft auf diesen Gegner vor?

„Wir haben momentan genug damit zu tun, an unseren Abläufen zu arbeiten und zwar in jedem Bereich. Die Mannschaft muss heiß darauf sein, auch in der Endphase noch an ihren Prozessen zu arbeiten. Das steht im Mittelpunkt. Wir wissen, dass nun mit dem VfB eine Mannschaft kommt, die einen sehr guten Lauf hat, die gerade im Offensivspiel aktuell eine der besten Bundesliga-Mannschaften überhaupt ist und ganz starke Wochen hinter sich hat. Fakt ist aber auch, dass wir unabhängig vom Gegner an unseren Abläufen festhalten müssen und dass jedes Spiel neue Möglichkeiten und Konstellationen bietet. Auch der VfB hatte ein Schlüsselspiel gegen Hertha BSC. Sicherlich war die Situation nie so krass wie bei uns, aber ich ziehe den Hut davor, wie Bruno Labbadia und die Mannschaft es geschafft haben, sich aus dieser Situation zu befreien. Wir brauchen auch so ein Schlüsselerlebnis, so ein Schlüsselspiel. Wir dürfen allerdings nicht mehr darauf warten, sondern müssen gegen den VfB damit anfangen.“

Frank Schaefer  
Geburtsdatum 26. Oktober 1963
Geburtsort Köln
   

Karriere als Spieler

 
Jugend  
1973 - 1982 1. FC Köln
   

Karriere als Trainer

 
1982 - 1997 1. FC Köln, Nachwuchstrainer
1995 - 1997 1. FC Köln, Nachwuchstrainer
1997 - 2003 Bayer Leverkusen, U19
2003 - 2007 1. FC Köln, U19
11 | 2006 1. FC Köln, Lizenzspieler-Co-Trainer (unter Holger Gehrke)
2007 - 2010 1. FC Köln, U23
10 | 2010 - 4 | 2011 1. FC Köln
seit 4 | 2012 1. FC Köln
   
7 | 2011 - 4 | 2012 Talententwicklung | -koordinator
 

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