Club | 29.02.2016

FC-Legende gestorben

FC trauert um Hannes Löhr

Der 1. FC Köln trauert um einen seiner größten Spieler. FC-Rekordtorschütze Hannes Löhr ist am Montag im Alter von 73 Jahren gestorben.

Johannes „Hannes“ Löhr ist am 29. Februar 2016 im Alter von 73 Jahren gestorben. Mit 166 Bundesliga-Toren ist er unangefochten Rekordhalter in der bisherigen Geschichte des 1. FC Köln. Darüber hinaus wurde er Deutscher Meister, Pokalsieger und Bundesliga-Torschützenkönig. Der 1. FC Köln wird zu Ehren Löhrs am Dienstagabend in Ingolstadt mit Trauerflor antreten.

FC-Präsident Werner Spinner sagt: „Hannes Löhr war über seine Zeit als Spieler, Trainer und Funktionär hinaus dem FC immer eng verbunden, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen. Seit 1986 war er Mitglied im Verein. Nach unserer Wahl zum Vorstand hat er Markus Ritterbach, Toni Schumacher und mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Wir werden Hannes Löhr unendlich vermissen und ihn nie vergessen.“

FC-Vizepräsident Toni Schumacher sagt: „Der Tod von Hannes Löhr trifft mich sehr. Er gehörte ohne Zweifel zu den größten Persönlichkeiten des 1. FC Köln, die ich kennenlernen durfte. Er war mein Mitspieler, Trainer und Manager. Zu Beginn meiner Profi-Karriere gehörte Hannes zu den absoluten Führungsspielern beim 1. FC Köln. Als junger Spieler habe ich viel von ihm lernen können. Gemeinsam haben wir das Double 1978 gefeiert. Später haben wir mit ihm als Manager den DFB-Pokal gewonnen und als Trainer internationale Erfolge errungen. Bis zuletzt gehörte er zu dem Kreis an Ehemaligen, die unserem Verein besonders nahe stehen. Hannes hatte einen unvergleichlichen Sinn für Humor. Ein großartiger Sportler und ein liebevoller Mensch ist von uns gegangen. Meine Gedanken sind bei seiner Familie.“

Von Beginn an Stürmer

Dass Hannes Löhr sich schon früh für den Fußball begeisterte, verdankt er seinem älteren Bruder: Der war Torwart bei Eitorf 09 und das große Vorbild des kleinen Johannes, den alle von Kindheit an nur Hannes nannten. Kaum eingeschult, wurde er Mitglied bei den „09ern“. Von Beginn an als Mittelstürmer eingesetzt, zeichnete sich sein außergewöhnliches Talent schnell ab. Da an eine Laufbahn als Profisportler dennoch nicht zu denken war, begann Löhr eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Als 18-Jähriger in der 1. Mannschaft der Eitorfer spielend, entdeckten ihn Scouts der Sportfreunde Saarbrücken bei einem Länderpokalspiel mit der Mittelrheinauswahl. Die Saarländer spielten in der Oberliga Südwest, der seinerzeit höchsten deutschen Spielklasse. Neben dem Vertragsspielerstatus bot man ihm an, seine Ausbildung beenden zu können. So gab Löhr seine Zustimmung und wechselte 1962 an die Saar. Als 1963 die Bundesliga ins Leben gerufen wurde, versetzte man die Sportfreunde in die Regionalliga Südwest.

Verhandlungen in der Bundeswehr-Kaserne

Löhr wurde Torschützenkönig und bei einem Spiel von Georg Knöpfle beobachtet – dem Trainer des 1. FC Köln. Knöpfle wollte den Torjäger unbedingt nach Köln holen und sicherte dem FC die Unterschrift des auch von anderen Clubs umworbenen Angreifers. Als Löhr 1964 zum Trainingsauftakt am Geißbockheim kam, waren die Kölner soeben erster Deutscher Meister der Bundesliga geworden. „Da hat Köln einen guten Fang gemacht“, urteilte Bundestrainer Sepp Herberger, der Löhr als einzigen Regionalligaspieler in den Kader des letzten Länderspiels unter seiner Leitung am 7. Juni 1964 in Helsinki gegen Finnland berufen hatte. 

Anfangs noch auf praktisch allen Angriffspositionen agierend, fand Löhr als linker Stürmer, ja fast schon als Linksaußen, seine Idealposition, auf der er bis zum Ende seiner Laufbahn spielte. Sein Debüt im FC-Trikot feierte er passenderweise beim „Ablösespiel“ gegen die Sportfreunde Saarbrücken am 12. August 1964, bei dem er auch das erste von insgesamt 421 Toren für den 1. FC Köln erzielte. 

Schon im ersten Jahr beim FC wurde er Deutscher Vizemeister und war einer der Protagonisten beim berühmten Liverpool-Drama, das die Kölner nach drei Remis endenden Begegnungen per Losentscheid verloren. Mit seinem Treffer zum 2:2 im dritten Spiel in Rotterdam hatte Löhr den legendären Münzwurf erst möglich gemacht. Ab der Spielzeit 1965/1966 war der schnelle, trickreiche Linksfuß endgültig gesetzt und begeisterte die Fans mit einer konstant hohen Torquote. 

So schaffte Löhr auch den Sprung in die Nationalmannschaft: Der Premiere am 22. Februar 1967 in Karlsruhe gegen Marokko (5:1, ein Tor von Löhr), folgten noch 19 weitere A-Länderspiele sowie die WM-Teilnahme 1970 in Mexiko, wo Löhr alle sechs Spiele der DFB-Elf (inklusive der „Jahrhundertspiele“ gegen England und Italien) bestritt und den dritten Platz belegte. International sorgte er nicht nur mit dem DFB, sondern auch mit dem FC für Furore: Insgesamt drei Mal (1969, 1971, 1975) erreichte man zwischen 1969 und 1975 ein europäisches Halbfinale. 

Erster Torschützenkönig

Wegen seiner auffälligen Nase verpassten ihm die Kölner Fans den Spitznamen „de Nas“ – die Mitspieler nannten ihn so jedoch nur selten. Wegen seiner immer gut gelaunten, lustigen Art war Löhr bei den Mannschaftskameraden besonders beliebt. Löhr war das, was man als rheinisches Schlitzohr bezeichnen kann – auf und neben dem Platz, ohne dabei die Bodenständigkeit und den notwendigen Ernst außer Acht zu lassen. 1968 war der 1,76 Meter große Angreifer erster Kölner, der dank seiner 27 Saisontore die Kicker-Torjägerkanone in Empfang nehmen durfte. Im selben Jahr wurde er auch DFB-Pokalsieger mit dem FC. 

Rückschläge brachten den sympathischen Rheinländer nicht aus der Bahn: Eine Lebererkrankung sowie eine Blutvergiftung und eine Lungenerkrankung, die während der Saison 1968/1969 in einem Sanatorium im Schwarzwald behandelt wurde, sorgten für diverse Zwangspausen und die Tatsache, dass die „Nas“ nur 20 A-Länderspiele vorweisen kann. Wie sehr sich sein Fehlen auswirkte, zeigte sich während seiner Kur im Schwarzwald: Der FC geriet ohne Löhrs Tore erstmals in Abstiegsgefahr, sicherte erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt. 1967 absolvierte Hannes Löhr an der Kölner Sporthochschule sein Fußballlehrer-Examen, begann anschließend Sport zu studieren. 1975 wollte er seine Karriere beenden und das Training der FC-Nachwuchsmannschaften übernehmen. Doch der im September 1973 nach Köln zurückgekehrte Trainer „Tschik“ Cajkovski überredete ihn, als Lizenzspieler weiterzumachen. 

Große Erfolge im Herbst der Karriere

Löhr stimmte zu – eine gute Entscheidung. Im Herbst seiner Karriere durfte der Offensivspezialist noch große Erfolge feiern. Unter dem seit 1976 wieder am Kölner Grüngürtel wirkenden Meistertrainer Hennes Weisweiler wurde er 1977 Deutscher Pokalsiegeger und gewann im Folgejahr das Double aus Meisterschaft und Pokal. Im Februar 1978 ernannte ihn Weisweiler zu seinem Co-Trainer – Löhr behielt das Amt ehe er im August 1980 an den Schreibtisch wechselte und drei Jahre lang als Sporttechnischer Leiter des 1. FC Köln fungierte. In diese Zeit fällt mit dem DFB-Pokalsieg 1983 der bis heute letzte große Titelgewinn des FC. 

Gemeinsam mit seinem Freund Wolfgang Weber bestritt der Mann, der bis heute die meisten Kölner-Bundesligatore (166) erzielt hat, am 27. Oktober 1978 in Müngersdorf sein Abschiedsspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft. Im August 1983 entließ er als Manager Trainer Rinus Michels und nahm selbst auf der Bank Platz. Fast drei Jahre lang war der frühere Nationalspieler für die FC-Profis zuständig, konnte den damaligen Erfolgsansprüchen in Form von Titelgewinnen jedoch nicht entsprechen. Als während der Saison 1985/1986 die Resultate vor allem in der Bundesliga immer negativer wurden, kam es im Februar 1986 zum entscheidenden Gespräch zwischen Löhr, Geschäftsführer Michael Meier und Vizepräsident Karl-Heinz Thielen. Löhr pochte auf eine Vertragsverlängerung bis Juni 1987 oder die sofortige Trennung. Letztlich einigte man sich auf eine sofortige Vertragsauflösung inklusive der Zahlung einer  Abfindung. Typisch für Löhr: Zum 1. Juli 1986 trat er dem 1. FC Köln als Mitglied bei, obwohl der Club ihn doch gerade entlassen hatte.

Olympiabronze

Untätig blieb Löhr nicht. Schon knapp ein halbes Jahr später ging der frühere Torjäger zum DFB, betreute bis 1990 die Deutsche Olympiaauswahl, mit der er bei den Spielen in Seoul (Südkorea) 1988 die Bronzemedaille gewann. Ab 1990 war Löhr zwölf Jahre lang für die U21-Nationalmannschaft zuständig. Nebenbei führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau viele Jahre lang eine Tennishalle in Frechen-Königsdorf. Seit 2002 war „die Nas“ im „Unruhestand“. So bekleidete er den Vorsitz im Förderverein der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Köln-Junkersdorf, der sich um hilfsbedürftige Menschen kümmert und war Präsident des Golfclubs „Gut Heckenhof“ in Eitorf. Löhr lebte in Köln-Junkersdorf, nicht weit vom RheinEnergieSTADION entfernt. Er kam, solange es die zunehmend angeschlagene Gesundheit zuließ, zu jedem FC-Heimspiel und traf dort viele seiner ehemaligen Mitspieler. Nachdem er von einem Schlaganfall und Herzproblemen genesen war, nahm Hannes Löhr im Februar noch an der FC-Karnevalssitzung im Maritim teil.

Am Montag ist Hannes Löhr im Alter von 73 Jahren gestorben. Der 1. FC Köln wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Stimmen zum Tod von Hannes Löhr

Bundestrainer Joachim Löw: "Mich macht die Nachricht vom plötzlichen Tod von Hannes Löhr sehr traurig. Nicht nur in Köln war er eine Fußball-Institution, auch beim DFB hat er Spuren hinterlassen, besonders bei der U 21 und im gesamten Nachwuchsbereich. Er war immer auf dem aktuellen Stand, die Gespräche mit ihm über Fußball waren ein Genuss, wie zuletzt am Rande der Eröffnung des Deutschen Fußball-Museums im Herbst letzten Jahres in Dortmund. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und seiner Familie."

Dr. Reinhard Rauball (Ligapräsident):
„Mit Hannes Löhr verbinden unzählige Fans großartige Fußballmomente, ob in der Nationalmannschaft oder in der Bundesliga. Mit ihm verlieren wir einen untadeligen Sportsmann, der sich mit seiner freundlichen, angenehmen Art gerade auch bei den Fans große Sympathien erworben hat und trotz seiner vielen Erfolge immer bescheiden geblieben ist. So war er auch als Manager und Trainer ein Vorbild für die nächsten Generationen, insbesondere in vielen Jahren als Coach der U21-Auswahl des DFB.“

Statistiken zu Hannes Löhr

Pflichtspiele: 505
Tore: 235
Freundschaftsspiele: 219
Tore: 186

Total
Spiele: 724
Tore: 421

Erfolge beim 1. FC Köln

Deutscher Meister 1978
Deutscher Pokalsieger 1968, 1977, 1978
Deutscher Vizemeister 1965, 1973
Deutscher Vizepokalsieger 1970, 1971, 1973
Bundesliga-Torschützenkönig 1968 (27 Tore)
Deutscher Vizemeister 1982 (als Sportdirektor)
Deutscher Pokalsieger 1983 (als Sportdirektor)
UEFA-Cup-Finalist 1986 (als Trainer | im Amt bis Februar 1986)
Sportschau Torschütze des Monats Januar 1976 

Laufbahn als Spieler

7 | 1948 - 6 | 1960 SV Eitorf 09 (Jugend)
7 | 1960 - 6 | 1962 SV Eitorf 09
7 | 1962 - 6 |1964 Sportfreunde 05 Saarbrücken
7 | 1964 - 31.01.1978 1. FC Köln 

20 A-Länderspiele | 5 Tore für Deutschland (alle für den 1. FC Köln) (1967-1970)
WM-Teilnehmer 1970 (Mexiko)
EM-Kader 1972 (Belgien) (kein Einsatz)  

Laufbahn als Trainer

01.02.1978 - 03.08.1980 1. FC Köln (Co-Trainer)
24.08.1983 - 06.02.1986 1. FC Köln
01.07.1986 - 30.06.1990 Deutscher Fußball Bund (Olympiaauswahl)
01.07.1990 - 30.06.2002 Deutscher Fußball Bund (U21-Nationalmannschaft)
Olympiabronze 1988 (Seoul, Südkorea) 

Laufbahn als Funktionsträger

04.08.1980 - 23.08.1983 1. FC Köln (Sportdirektor/Sporttechnischer Leiter)  

Schlagwörter:

Hannes Löhr
  • empfehlen