"Ein erfolgreiches Jahr"
Wolfgang Overath
Noch zwei Spiele und das spannende FC-Jahr 2008 geht zu Ende. Wolfgang Overath blickt im Gespräch mit Christopher Lymberopoulos und Götz Großhans auf die Entwicklung, die der 1. FC Köln in den letzten Monaten genommen hat, zurück. Darüber hinaus gibt der FC-Präsident Auskunft über zukünftige Projekte und seine Wünsche für 2009.
GeißbockEcho: Wolfgang Overath, wie fällt Ihr Resümee für 2008 aus FC-Sicht aus?
Wolfgang Overath: "Es war ein sehr erfolgreiches Jahr für den 1. FC Köln, denn wir haben zuerst den Aufstieg geschafft, auf den wir so lange und so intensiv hingearbeitet haben, und dann für einen Aufsteiger eine bisher recht erfolgreiche Hinrunde gespielt. 19 Punkte nach 15 Spielen sind aller Ehren wert. Also, eine erfolgreiche Rückrunde in der 2. Bundesliga und eine überzeugende Hinrunde in der Bundesliga führen dazu, dass wir sportlich sehr zufrieden sein können. Alles andere, was wir hier in Köln erleben, sucht in der Bundesliga sowieso seinesgleichen - der Zuspruch der Menschen, ihre Begeisterung, ihre Emotionen. Gerade in der vergangenen Zweitligasaison haben uns die Leute immer wieder getragen und sie haben am Aufstieg einen gehörigen Anteil."
Aktuell durchlebt die Mannschaft ein kleines Tief - inwieweit schmälert dies Ihre Bilanz und welche Bedeutung haben die beiden noch ausstehenden Spiele der Hinrunde gegen den Hamburger SV und beim VfL Bochum hierfür?
"Es ist richtig, wir haben jetzt dreimal hintereinander verloren, dabei aber zweimal gegen sehr ambitionierte Gegner eine gute Leistung gezeigt. In Bremen waren wir gerade dabei, das Spiel zu drehen, da haut der diesen Sonntagsschuss zum 3:1 rein und in Berlin haben wir bis zur 86. Minute dagegengehalten und hätten ein Unentschieden verdient gehabt. Wir haben natürlich einige individuelle Fehler gemacht, die zu den Gegentoren geführt haben, aber insgesamt haben wir spielerisch in beiden Begegnungen sehr gut mitgehalten. Gegen Hoffenheim haben wir dagegen schlecht gespielt und unser Leistungsvermögen nicht abgerufen. Es gibt aber keine Mannschaft in der Liga, die alle 17 Spiele einer Runde immer gut spielt. Es gibt immer Phasen, in denen es nicht so gut läuft und die man überwinden muss. Wir hatten nach den Spielen gegen Bielefeld und im Pokal gegen Mainz eine ähnliche Situation und haben uns dann da wieder selbst rausgezogen und in sieben Spielen 15 Punkte geholt. In den beiden kommenden Spielen entscheidet sich jetzt, ob wir für einen Aufsteiger ein sehr starke oder 'nur' eine passable Hinrunde gespielt haben. An der Gesamtbeurteilung ändert dies aber nichts - 2008 war ein erfolgreiches Jahr für den FC."
Sie haben auf der Mitgliederversammlung eine beeindruckende Rede gehalten - was war Ihre Hauptintention?
"Grundsätzlich muss man natürlich sagen, dass es einfacher ist, vor die Mitglieder zu treten, wenn man aufgestiegen ist und jetzt in der Bundesliga ganz gut dasteht. Zunächst wollte ich mich bei den Mitgliedern für die große Unterstützung in den vergangenen Jahren - insbesondere in der 2. Bundesliga - bedanken. Dann wollte ich deutlich machen, dass sich der FC im vergangenen Jahr in Bezug auf den internen Zusammenhalt und die Außendarstellung weiterentwickelt hat. Wir alle, das heißt die Gremien, die Geschäftsführung und die sportliche Leitung, sind näher zusammengerückt und es gibt keine Grüppchenbildung. Das gilt auch für die Außendarstellung - wir sprechen, wie man so schön sagt, 'mit einer Zunge' und lassen uns nicht auseinanderdividieren. Dieses Miteinander ist die Basis für die sportliche, aber auch die gesamte Entwicklung des Clubs. Und die Grundlage für dieses Zusammenrücken ist das Vertrauen, das zwischen allen Beteiligten herrscht und das wir uns in den letzten Monaten erarbeitet haben."
Auch die Mitglieder scheinen das Erreichte zu würdigen - der Vorstand wurde einstimmig entlastet?
"Ja, das war eine wunderbare Geschichte. Ich war ja schon auf vielen Mitgliederversammlungen, aber dass bei fast 1.500 anwesenden Mitgliedern ein Vorstand ohne eine Gegenstimme oder eine Enthaltung entlastet wird, habe ich bisher noch nicht erlebt. Natürlich hängt so was zuallererst vom sportlichen Erfolg ab und ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass es auch anders laufen kann. Die Leute haben aber erkannt, dass es eine große Leistung dieser Mannschaft, dieses Trainers und des gesamten Vereins war, wieder aufzusteigen und dann diese Hinrunde zu spielen."
Sie haben auf der Mitgliederversammlung auch die Projekte "Stiftung", "Frauenfußball" und "Stollenwerk-Elf" vorgestellt - was steckt im Einzelnen dahinter?
"Bei der geplanten Stiftung geht es um zwei Dinge: Erstens die vielen, vielen sozialen Anfragen, die tagtäglich beim 1. FC Köln eingehen, zu bündeln und angemessen zu 'bearbeiten'. Ich habe ja selbst den Wolfgang-Overath-Fond gegründet und weiß, wie viel Freude es macht, anderen zu helfen. Der zweite Gedanke war, auch unsere ehemaligen Spieler, die diesen Club groß gemacht haben und die heute nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens stehen, zu unterstützen. Denen können wir natürlich nicht Millionen geben, aber wir können ihnen helfen. Frauenfußball ist natürlich ein ganz großes Thema: Egal ob bei den Spielen oder auch der Mitgliederversammlung oder allen anderen Terminen rund um den FC - es sind immer mehr Frauen da. Das Interesse von Frauen an Fußball ist enorm gewachsen und immer mehr Mädchen und junge Frauen wollen auch selber spielen. Da ist es eigentlich folgerichtig, dass ihnen hier in der Region auch der 1. FC Köln diese Möglichkeit bietet, und wenn alles klappt, wird zur kommenden Saison der FFC Brauweiler Pulheim zum 1. FC Köln wechseln. 'Stollenwerk-Elf' ist der Arbeitstitel für eine Mannschaft, die wir ins Leben rufen wollen. So etwas gab es schon mal ab den 60er Jahren und das Team wurde damals von unserem ehemaligen Spieler 'Schorsch' Stollenwerk betreut. Es geht darum, jungen Spielern und Spielern, die nach Verletzungen wieder Anschluss suchen, zu mehr Spielpraxis zu verhelfen. Wir haben sehr viele junge Spieler und ich weiß noch aus meiner aktiven Zeit, dass es sehr schwer ist, sich nur im Training nach vorne zu arbeiten und zu präsentieren. Auch wenn Du bei Testspielen nur vor 500 Leuten spielst, hat es immer einen anderen Reiz und eine andere Wahrnehmung. Die Yalcins, die Gardawskis und die Brosinskis sollen die Gelegenheit erhalten, den Leuten zu zeigen, was sie drauf haben. Hinzu kommt, dass es auch nicht dem Image des FC schadet, wenn er hier in der Region präsent ist und mit dieser Mannschaft zu den Leuten nach Hause kommt. Insgesamt ist das also eine Sache, bei der es nur Gewinner gibt."
Der Fortschritt eines weiteren Projekts lässt sich am Geißbockheim tagtäglich bewundern - was versprechen Sie sich vom Erweiterungsbau und dem dadurch möglichen Rückzug der FC-Verwaltung aus dem RheinEnergieStadion?
"Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen im Grüngürtel tun wir alles dafür, das Geißbockheim und das gesamte Gelände immer wieder zu optimieren und den aktuellen Anforderungen anzupassen. Der Erweiterungsbau jetzt dient dazu, alle FC-Mitarbeiter wieder zusammenzubringen. Die Aufteilung zwischen RheinEnergieStadion und Geißbockheim war nicht vorteilhaft, denn das, was ich vorhin schon zum Thema 'Zusammenrücken' gesagt habe, gilt natürlich auch hier. Bald werden wir wieder alle in einem wunderbaren Gebäude zusammensein. Das Geißbockheim ist die Heimat des 1. FC Köln und man kann einfach nur den Hut ziehen für das, was Franz Kremer damals geschaffen hat und was heute immer noch Bestand hat."
Sie haben Franz Kremer noch selbst kennen gelernt, als Sie Spieler beim FC waren - inwieweit beeinflusst er Sie heute bei der Ausübung des Präsidentenamts?
"Franz Kremer war eine überragende Persönlichkeit - mit Charisma und mit Ausstrahlung. Ich weiß noch, dass ich damals, nachdem ich gut gespielt hatte, zu ihm nach Hause durfte - das war eine besondere Ehre. Ich hatte einen Zweijahresvertrag, und als ich bei ihm war, sagte er: 'Ich gebe Dir einen Vierjahresvertrag.' Heute würden die jungen Spieler vielleicht denken, 'Der will mich linken', aber für mich war das eine Ehrensache. Seinen Visionen und seinem Engagement ist es zu verdanken, dass der FC so ein großer Club geworden ist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es jemals noch einmal eine so starke und außergewöhnliche Figur für den FC geben wird. Ein Vergleich mit ihm wäre deshalb anmaßend, zumal die Zeiten auch zu verschieden sind. Was man von ihm aber übernehmen kann sind bestimmte Werte. Zum Beispiel hatte er immer den Anspruch, dass die besten Fußballer der Region beim 1. FC Köln spielen sollten. Oder dieses Familiäre, das wir ja auch versuchen vorzuleben."
Zu dieser FC-Familie gehören auch die Fans und die kontinuierlich steigende Zahl von FC-Mitgliedern. Beim Heimspiel gegen den HSV wird Mitglied Nummer 44.444 geehrt - was sagen Sie zu dieser Entwicklung?
"Das ist schon ein Phänomen, dass die Leute nicht nur so mit dem FC mitfiebern, sondern darüber hinaus diese feste Verbindung eingehen und Mitglied werden. Etwas stolz macht mich auch die Tatsache, wie schnell diese Entwicklung vor sich gegangen ist. Als wir vor vier Jahren angefangen haben, waren es so um die 15.000 Mitglieder, jetzt sind es fast 30.000 mehr. Man kann den Leuten gar nicht oft genug dafür danken, dass sie dem Club die Treue gehalten haben beziehungsweise sich für ihn entschieden haben, auch wenn es sportlich nicht optimal lief. Es sind ja nicht nur die Mitglieder, auch das Stadion ist immer voll, alle Logen sind vermietet, alle Business-Seats verkauft, mit REWE haben wir einen super Hauptsponsor und und und. All das haben wir in den vergangenen Jahren erreicht, aber man darf dabei natürlich eines nicht vergessen, dass das alles Entscheidende der sportliche Erfolg ist. Und an dem arbeiten wir."
Was sind Ihre Wünsche für 2009 - für den FC, aber vielleicht auch privat?
"In Bezug auf den FC gibt es nur den einen Wunsch, dass wir unser Ziel Klassenerhalt erreichen. Wenn es geht, natürlich möglichst früh, damit man Planungssicherheit hat. Alles was darüber hinausgeht ist ein Zubrot, das die Mannschaft und der Trainer angehen sollen, wenn es soweit ist. Darüber hinaus wünsche ich einigen, vor allem den jungen Spielern, dass es ihnen gelingt, sich so sehr aufzudrängen, dass sie auch einmal die Chance auf einen Einsatz bekommen. Ansonsten hoffe ich, dass sich alle anderen Bereiche im Club so weiterentwickeln und wir uns in der Bundesliga langfristig etablieren. Für meine Familie und mich persönlich habe ich eigentlich keine großen Wünsche. Ich habe in meinem Leben so viel Glück gehabt, und wenn alle gesund bleiben, bin ich eigentlich wunschlos glücklich."








