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Stellungnahme des 1. FC Köln zum DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“
„Grundsätzlich begrüßen wir das DFL-Papier als nächsten Schritt in der Diskussion über die Sicherheit in Stadien. Bei allen positiven Ansätzen in dem Papier scheint uns der Fokus zu sehr auf Sanktionsmaßnahmen zu liegen und weniger auf den Dialogthemen. Hier sehen wir noch Anpassungsbedarf“, so Claus Horstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung des 1. FC Köln. Für den Fanbeauftragten Rainer Mendel liegt eine Ursache dafür in der Tatsache, dass bislang weder Fangruppen, noch die Fanbeauftragten der Vereine in die Erarbeitung des Diskussionspapier einbezogen worden waren. Das sollte im weiteren Verlauf der Diskussion nachgeholt werden, so Rainer Mendel, der zugleich einer der Sprecher der Fanbeauftragten der Lizenzvereine ist.
Der 1. FC Köln sieht eine Reihe der vorgeschlagenen Maßnahmen als geeignet an, ein sicheres Stadionerlebnis zu gewährleisten. Viele dieser Maßnahmen werden beim 1. FC Köln bereits heute umgesetzt. Dazu gehören insbesondere die Einbeziehung der auswärtigen Ordner-Dienste in die Ordnungsmaßnahmen im eigenen Stadion, die bessere Qualifizierung und Zertifizierung der Ordner-Dienste sowie eine effizientere und leistungsfähigere Videoüberwachung im Stadion. Auch die verbesserte Finanzierung von Fanprojekten und die Aufwendung zusätzlicher Mittel für wissenschaftliche Studien und Untersuchungen zum Fanverhalten werden positiv bewertet. Die geforderte Etablierung eines kontinuierlichen Fandialogs ist aus Sicht des 1. FC Köln nicht nur als Einzelmaßnahme, sondern als elementare Grundlage für ein sicheres Stadionerlebnis zu verstehen.
Der 1. FC Köln hat im April 2012 mit der Einberufung eines Arbeitskreises Fankultur unter Einbeziehung von zehn großen FanClubs und sechs Ultra-Gruppierungen einen Dialogprozess gestartet, der auf das gegenseitige Verständnis zwischen allen Beteiligten abzielt. Der Prozess wird von erfahrenen Fanforschern aus Hannover moderiert und begleitet. Geleitet von einem unabhängigen Richter werden auch die Politik und die Polizei in dem Arbeitskreis vertreten sein. Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses im Deutschen Bundestag, arbeitet bereits heute als Mitglied des Arbeitskreises mit. Das sozialpädagogische FC-Fanprojekt wird zusätzlich durch die Stiftung des 1. FC Köln finanziell unterstützt. Im Stadion selbst wird ein technisch verbessertes Videosystem die Effizienz der Überwachung und Ermittlung deutlich verbessern. Seit Beginn des Saison 2012/13 hat es keine relevanten Vorfälle rund um FC-Spiele gegeben, weder auswärts, noch im eigenen Stadion.
Für fragwürdig hält der 1. FC Köln alle Maßnahmen in dem DFL-Papier, die auf eine ungerechtfertigte Kollektivbestrafung von Fangruppen abzielen, etwa die Reduzierung von Auswärtsticketkontingenten. „Das trifft in der Regel die Falschen“, so die Einschätzung von Rainer Mendel. Wissenschaftliche Untersuchungen in Köln haben gezeigt, dass bei Kollektivstrafen gegen Fangruppen keine verhaltensändernde Wirkung nachweisbar ist. Zwar haben sich die Mitglieder des 1. FC Köln bereits 2011 auf eine Fan-Charta verständigt. Aber eine zwingende Verpflichtung der Vereine und Fangruppen auf bestimmte sanktionsbewährte Inhalte – wie sie in dem DFL-Papier gefordert werden – entspricht nicht dem vom FC vertretenen Dialogverständnis auf Augenhöhe zwischen Fans und Verein. Entscheidend für die Verhängung von Strafen und Sanktionen sei vielmehr eine effektivere Ermittlung von Einzel- oder Gruppentätern sowie die Prävention von Regelverstößen. Darauf sollten sich Vereine, DFL, Ordnungsdienste und Polizei in ihren Maßnahmen konzentrieren. Gegen ermittelte Störer müsse mit aller Härte und Konsequenz von Seiten der Vereine, der Polizei und der Gerichte vorgegangen werden. Es müsse darum gehen, die gewaltbereiten Störer durch geeignete Maßnahmen zu ermitteln und aus dem Fußball auszuschließen. Eigene Container zur Personenkontrolle werden als nicht verhältnismäßig angesehen. Angeregt wird die Schaffung positiver Rahmenbedingungen für die Gästefans wie beispielsweise die Einrichtung einer Gästefanbetreuung und die Einrichtung von Kurvengesprächen für alle Vereine.
Der 1. FC Köln versteht das DFL-Papier als wichtigen Beitrag für eine Liga-weite Diskussion über geeignete Maßnahmen für mehr Sicherheit in Fußballstadien und wird sich daran auch weiter mit eigenen Beiträgen und Erfahrungen beteiligen. Alle Lizenzvereine müssten es als eine gemeinschaftliche Aufgabe ansehen, für eine verbesserte Sicherheit in den Stadien zu sorgen. Hierzu gehört aus Sicht des FC auch, dass alle Netzwerkpartner (Verbände, Vereine und Polizei) deeskalierende Maßnahmen in den Fokus ihres Handels stellen und hieran gemeinschaftlich arbeiten. Die Inhalte des Papiers wird der FC auch im Arbeitskreis Fankultur zur Diskussion stellen.
Timo Horn: „Der FC ist mein Zuhause“
Freitag, 12. Oktober 2012
