Nachwuchs

Freitag, 22. Juni 2012

„Den Weg in den Profikader ebnen“

Interview mit Stephan Engels

Stephan Engels ist Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des 1. FC Köln. Im Interview mit fc-koeln.de spricht er über die Erfolge der Nachwuchsmannschaften in der vergangenen Saison und über zukünftige Ziele und Veränderungen im Nachwuchsbereich.


fc-koeln.de: Stephan Engels, die FC-Nachwuchsmannschaften befinden sich mittlerweile in der Sommerpause. Wie fällt Ihr Fazit der vergangenen Saison aus?

Stephan Engels:
„Wir können sehr zufrieden mit der zurückliegenden Spielzeit sein. Unsere U17 hat eine überragende Saison gespielt. Nach der Deutschen Meisterschaft 2011 hat das Trainer-Team um Boris Schommers und Martin Bülles eine neue Mannschaft formiert, die wieder Westdeutscher Meister geworden ist. Die Saison war ein großartiger Erfolg, daran ändert auch das Ausscheiden gegen Hertha BSC im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft nichts. Die Mannschaft hätte das Finale verdient gehabt, aber Fußball ist eben nicht immer gerecht und Elfmeterschießen ist Lotterie. Berlin war in beiden Spielen die glücklichere Mannschaft. Unsere U19 ist etwas durchwachsen in die Spielzeit gestartet, hat aber im Laufe der Saison gezeigt, dass sie eine starke Mannschaft ist. Durch die Siege gegen Leverkusen und den Bonner SC und dem damit verbundenen Gewinn des FVM-Pokals hat das Team für einen erfreulichen Saisonabschluss gesorgt. Mit der Entwicklung unserer U21 können wir auch sehr zufrieden sein. Nach dem Abgang zwei erfahrener Spieler, Carsten Cullmann und Michael Niedrig, haben wir die Mannschaft von der U23 zur U21 umstrukturiert. Das hat hervorragend funktioniert und das Team hat in der Regionalliga West am Ende den sechsten Platz belegt.“

Zudem sehen wir im Lizenzspielerkader neue Gesichter aus dem eigenen Nachwuchs…

„Das ist und muss immer unser Hauptziel sein. Die Jungs haben durch gute Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und sich so die Chance bei den Profis zu spielen verdient. Jonas Hector hat sich sehr gut entwickelt, Kacper Przybylko brauchte nach seinem Wechsel im Januar zu uns keine Anlaufzeit und hat seine Torjägerqualitäten sofort unter Beweis gestellt – in Bielefeld und bei uns hat er in der vergangenen Saison 25 Tore in 30 Partien erzielt, das spricht für sich. Mit Lukas Kübler haben wir einen zuverlässigen Verteidiger und mit Marcel Schuhen einen weiteren talentierten und ehrgeizigen Torwart im Kreise der Lizenzspieler. Fabian Schnellhardt aus unserer U19 gehörte ja bereits in der vergangenen Spielzeit mehrfach zum Kader der Profis. Wir haben viele Talente im Nachwuchs und können optimistisch in die Zukunft blicken. Dennoch ist es unser Ziel den Übergang aus dem Nachwuchs- in den Profibereich weiter zu verbessern. Wir haben mit Frank Schaefer als Leiter Sport an dieser Schnittstelle eine hervorragende Besetzung, er kennt den Nachwuchsbereich durch seine langjährige Arbeit hier ganz genau.“

Christoph Henkel wird den FC Ende diesen Monats nach 24 Jahren verlassen

„Das bedauere ich sehr. Wir haben in den dreieinhalb Jahren eine erfolgreiche Zeit mit gegenseitiger hoher Wertschätzung miteinander verbracht. Wir haben es geschafft und da möchte ich auch unsere pädagogische Leiterin Beate Weisbarth mit einbeziehen, unser Nachwuchsleistungszentrum nach der Zertifizierung durch den DFB an die Spitze der gesamten Bundesliga zu führen. Außerdem haben wir wieder den Titel ‚Eliteschule des Fußballs’ errungen. Christoph hat sich allerdings nun für eine neue, berufliche Herauforderung entschieden und dafür wünsche ich ihm alles Gute. Wir bedauern natürlich, dass er uns verlässt, aber wir haben in den vergangenen Jahren im Nachwuchsbereich gemeinsam hervorragende Strukturen geschaffen, auf die wir stolz sein können und auf denen wir weiter aufbauen werden. Das Sportinternat Köln bietet beispielsweise ideale Voraussetzungen für die ganzheitliche Entwicklung der Spieler. Der aktuelle sportliche Erfolg ist die Ernte für die Arbeit der vergangenen Jahre, die wir weiter optimieren möchten. In der neuen Saison werden wir zudem in der U19 eine hervorragende Mannschaft zusammen haben – da muss es unser Anspruch sein, um den Titel mitzuspielen.“

Welche Veränderungen gibt es auf den Trainerpositionen im Nachwuchsbereich?

„Der Trainer ist der Hauptbaustein für eine gute Entwicklung der Spieler, deswegen sind wir sehr froh, dass wir auf diesen Positionen so hervorragend besetzt sind. Dirk Lottner wird wieder die U21 übernehmen und Rainer Thomas, der die Mannschaft in der Endphase der vergangenen Saison betreut hatte, als Co-Trainer an seiner Seite arbeiten. In der U19 bleibt Manfred Schadt Trainer und auch Boris Schommers bleibt der U17 erhalten. Lediglich bei der U15 gibt es eine Veränderung, Carsten Cullmann wird die Mannschaft in der neuen Saison trainieren. Auch innerhalb der Kader sind wir sehr gut besetzt, sodass wir kaum externe Neuzugänge dazuholen werden. In der U17 werden wir den Kader allerdings mit drei externen Spielern, Peter Schaale, Justin Splitt und Sascha Willms, verstärken.“

Mitchell Weiser hat den FC verlassen

„Das stimmt und das ist natürlich schade. Allerdings ist es nicht richtig, dass wir uns nicht schon frühzeitig um seine Vertragsverlängerung bemüht haben. Bereits vor über eineinhalb Jahren haben wir versucht, damals in Person von Michael Meier und später durch Volker Finke, den Vertrag mit Mitchell langfristig zu verlängern und ich habe in meiner Zeit beim FC noch keinen Nachwuchsspieler erlebt, dem der Club so ein Angebot unterbreitet hat. Aber wenn ein Champions League-Finalist wie Bayern München ein junges Talent umwirbt, ist es für jeden deutschen Club schwierig, den Jungen zu halten. Ich habe ihm geraten seine ersten Profischritte beim FC zu machen, das hätte seiner Entwicklung sicherlich gut getan. Aber wir respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm in München sportlich und privat alles Gute. Nichtsdestotrotz haben wir noch sehr viele talentierte Spieler in unseren Reihen und ich bin mir sicher, dass wir viele Jungs, die zurzeit noch bei uns im Nachwuchs aktiv sind, auch irgendwann in der Bundesliga wiedersehen werden. Unsere Aufgabe ist es, ihnen den Weg in den Profikader bestmöglich zu ebnen und dafür geben wir alles.“
 

 

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