Profis | 04.05.2017

Lukas Klünter im GeißbockEcho

„Von null auf hundert"

Sein Tempo ist seine große Stärke. Auch in seiner Karriere ging es für Lukas Klünter zuletzt schnell nach oben. Im Interview spricht der FC-Verteidiger über seinen Sprung in die Bundesliga.

Lukas, waren die vergangenen Wochen für dich die aufregendsten deiner bisherigen Karriere?
Auf jeden Fall waren es die überraschendsten. So richtig realisiert habe ich die letzten Wochen noch nicht. Es kam alles sehr plötzlich und ging quasi von null auf hundert. Im März hätte ich nicht geglaubt, dass ich in dieser Saison noch mein Startelf-Debüt gebe, mein erstes Profi-Heimspiel mache und gegen Mannschaften wie Gladbach und Dortmund spiele.

Vor vier Jahren hast du noch beim TSC Euskirchen gespielt, dem Heimatverein von FC-Legende Heinz Flohe. Ist man dort automatisch FC-Fan?
Beim TSC Euskirchen ist Heinz Flohe immer ein großes Thema gewesen. Die Älteren haben von ihm geschwärmt. Ich war aber ohnehin schon immer FC-Fan. Der FC ist der Verein, dem auch meine Familie die Daumen drückt. Es ist der Verein, mit dem ich von klein an aufgewachsen bin.

Stimmt es, dass du in der Jugend schon einmal die Chance auf ein Probetraining beim FC hattest und abgelehnt hast?
Ja, mein bester Freund wurde zu einem einwöchigen Probetraining beim FC eingeladen und auch mir wurde angeboten, vorzuspielen. Ich habe mich damals aber noch nicht bereit gefühlt, diesen Schritt zu gehen. Es war vielleicht die Angst, zu versagen und nie wieder die Chance zu bekommen. Nach meinem Jahr beim TSC Euskirchen bin ich dann zum Bonner SC gewechselt, wo ich in der A-Junioren Bundesliga-West gespielt habe und den FC mit meinen Leistungen auf mich aufmerksam gemacht habe.

2014 bist du vom Bonner SC zum 1. FC Köln gewechselt und hast das erste Jahr in der U19 des FC gespielt. Wie groß war die Umstellung?
Sehr groß. Vor allem, weil mir wichtige Grundlagen gefehlt haben. Das muss ich ganz offen zugeben. In meiner Technik gab es Defizite – vor allem beim ersten Kontakt, im Passspiel und bei der Ballkontrolle. Das sind Sachen, die lernt man eigentlich ganz am Anfang. Die habe ich in meinen Jugendvereinen natürlich auch trainiert, aber auf einem ganz anderen Niveau. Mein Weg ist anders verlaufen, als es heute üblich ist. Heutzutage führt der Weg nach oben fast immer über ein Nachwuchsleistungszentrum. Das war bei mir nicht der Fall. Ich war in keinem NLZ.

Wie hast du nach deinem Wechsel zum FC an deinen Defiziten gearbeitet?
Wenn es von der Belastung gepasst hat, habe ich Extra-Einheiten gemacht. Ich habe mir von meinen damaligen U19-Trainern Boris Schommers und Kevin McKenna Übungen zeigen lassen und nach dem Mannschaftstraining noch alleine in der Halle trainiert. Ich habe zum Beispiel immer wieder an der Hallenwand den Ball hochgehalten. So oft wie möglich. Immer wieder. Heute weiß ich, dass es sich gelohnt hat.

Im Januar 2015 hast du deine ersten Erfahrungen bei den Profis gemacht. Du bist mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Florida geflogen. Mit welcher Einstellung bist du damals in die Wintervorbereitung der Profis gegangen?
Ich wollte möglichst viele Eindrücke sammeln und möglichst viel lernen – einfach so viel wie möglich mitnehmen. Ich habe zu diesem Zeitpunkt noch in der U19 des FC gespielt und durfte mich zum allerersten Mal oben zeigen. Das habe ich als riesige Chance gesehen. Ich habe mir gesagt, dass ich nichts zu verlieren habe.

Im Florida Cup hast du im Spiel gegen den zwei fachen Weltpokalsieger Corinthians über die volle Distanz gespielt, allerdings als Innenverteidiger. Ist das eine Position, die dir auch liegt?
Es hat in der Innenverteidigung gut funktioniert, auch wenn ich gegen Corinthians direkt gegen den früheren Bayern-Stürmer Paolo Guerrero verteidigen musste. Es gab damals die Überlegung, mich zum Innenverteidiger umzuschulen, da die Konkurrenz auf der Rechtsverteidiger-Position beim FC sehr groß war. Grundsätzlich könnte ich auch als Innenverteidiger spielen. Ich sage aber ganz ehrlich, dass ich lieber außen spiele. Außen kann ich meine Schnelligkeit, die mein großes Plus ist, besser ausnutzen. Ich möchte in meinem Spiel auch Druck nach vorne machen. Das kann ich am besten als Rechtsverteidiger.

Das Trainingslager verlief für dich sehr erfolgreich. Trotzdem bist du zunächst nicht in den Profikader gerückt.
Das war vorher so abgesprochen. Als wir nach Florida gereist sind, bin ich noch in Weilerswist zur Schule gegangen. Ich stand wenige Monate vor meinem Abitur. Im Flieger nach Orlando habe ich Spanisch gelernt und zwischen unseren Einheiten jede freie Minute genutzt, um mich auf meine Abitur-Prüfungen vorzubereiten. Es war mir wichtig, die Schule so gut wie möglich abzuschließen. In Absprache mit Jörg Schmadtke und Peter Stöger haben wir deshalb entschieden, dass ich erst einmal bei der U19 bleibe und erst nach meinem Abitur bei den Profis trainiere und in der U21 spiele.

Hat es sich gelohnt, die Profi-Karriere erst einmal hintenanzustellen?
Auf jeden Fall. Mein Abitur habe ich erfolgreich abgeschlossen. Jetzt studiere ich nebenbei, was sich viel besser mit dem Profi-Sport vereinbaren lässt. Ich kann mir meine Uni-Zeit frei einteilen.

Was studierst du?
Ich studiere an der Sporthochschule den Bachelorstudiengang Sport, Erlebnis und Bewegung. Ich bin jetzt im dritten Semester und möchte mich später auf die Kombination Sport und Tourismus spezialisieren. Ich reise gerne, entdecke gerne neue Länder und neue Kulturen. Aber jetzt möchte ich mich erst einmal auf den Fußball konzentrieren.

In der Vorsaison hast du am 28. Spieltag dein Profi-Debüt gegen die TSG Hoffenheim gegeben. Wie überraschend kam die Einwechslung für dich?
Sehr überraschend. Ich stand im Verlauf der Saison zwar fünfmal im Kader, bin aber nie zum Einsatz gekommen. Als ich eingewechselt wurde, waren noch 20 Minuten zu spielen. Ich habe mich gerade zusammen mit den anderen Ersatzspielern hinter dem Tor warm gemacht, als ich gesehen habe, dass unser Athletiktrainer Yann-Benjamin Kugel ein Trikot in unsere Richtung hält. Ich musste zweimal hinschauen, bis ich realisiert habe, dass es das Trikot mit meiner Rückennummer ist.

Hier geht’s zum kompletten Interview. 

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